König Ludwig II. setzte ein Zeichen dagegen. Auf sein Betreiben wurde 1882 der blühenden Jüdischen Gemeinde ein Grundstück gegenüber der Maxburg für den Neubau der Hauptsynagoge zur Verfügung gestellt.

Diese beeindruckende, nach den Plänen von Albert Schmidt an der Herzog-Max-Straße errichtete Hauptsynagoge konnte am 16. September 1887 eingeweiht werden und war zu diesem Zeitpunkt die drittgrößte Synagoge Deutschlands – in unmittelbarer Nähe zur Frauenkirche im Zentrum Münchens gelegen. Insbesondere das Bewußtsein, sich nicht mehr versteckt hinter unscheinbaren Fassaden oder in der Vorstadt versammeln zu müssen, sondern nunmehr über ein ansehnliches Gotteshaus an einem zentralen Ort der Innenstadt zu verfügen, das anderen Sakralbauten in München in nichts nachstand, erfüllte die jüdische Gemeinschaft mit Stolz. Dieser Ort dokumentierte gleichzeitig die religiöse Akzeptanz und die Bedeutung der Juden im gesellschaftlichen und politischen Leben Münchens. Die Zeit der Integration schien angebrochen.

Durch die starke Zuwanderung aus dem Osten, wo durch Pogrome ein Verbleib unmöglich wurde, stieg die Zahl der jüdischen Bevölkerung Münchens nach der Jahrhundertwende rapide an, so daß im Jahr 1910 unter den ca. 590.000 Einwohnern der Stadt 11.083 dem jüdischen Glauben angehörten (knapp 2% der Gesamtbevölkerung). Eine große Zahl jüdischer Künstler, Dichter, Schriftsteller, Wissenschaftler, Kaufleute und Politiker bereicherte das kulturelle Leben und trug entscheidend zum Ruf der Landeshauptstadt München bei.
Persönlichkeiten wie Lion Feuchtwanger, Bruno Walter, Hermann Levi, Max Reinhardt, Julius Spanier, Max Littmann, Otto Bernheimer, Kurt Eisner und viele andere mehr lebten und wirkten in München.

Doch bereits in den zwanziger Jahren wurde das Leben für die Juden schwieriger. Die Spannungen nahmen zu, es kam zu rücksichtslosen Ausweisungen polnischstämmiger Juden. Die Trupps der SA organisierten erste Übergriffe gegen jüdische Geschäfte und Personen. Dann kam der Januar 1933 und die Politik der staatlich verordneten Diskriminierung und der Pogrome begann. In ihrer Festschrift zum 50jährigen Bestehen der Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße am 5. September 1937 sah sich die Israelitische Kultusgemeinde zu den Worten veranlaßt: "Die 50. Wiederkehr dieses Tages festlich zu begehen, ist heute nicht die Zeit". Kaum ein Jahr später wurde das große Symbol der Präsenz der Juden in München beseitigt – ein öffentliches Signal der Radikalisierung der antijüdischen Politik. Adolf Hitler persönlich gab den Befehl, die Hauptsynagoge abzubrechen, wobei die Kosten für den Abriss des Gebäudes der Jüdischen Gemeinde zur Zahlung auferlegt wurden.

Am Morgen des 9. Juni 1938 begann die Zerstörung der Synagoge, die nach Auffassung der Nationalsozialisten vor allem dem Ziel diente, München von einem "Schandfleck" zu befreien.

Die Synagogen in der Herzog-Rudolf-Straße und in der Reichenbachstraße fielen den SA-Schergen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938, der sogenannten "Reichskristallnacht" zum Opfer. Von diesem Zeitpunkt an fehlten im Adressbuch Münchens sämtliche Synagogen und Einrichtungen der Israelitischen Kultusgemeinde. Auf dem Papier hatten die Juden Münchens zu diesem Zeitpunkt bereits aufgehört zu existieren.

Es folgten Jahre der Diffamierung, der Vertreibung, der Deportation, der Vernichtung. Die amerikanischen Befreier fanden am 30. April 1945 lediglich 84 überlebende Juden in München vor.

Doch das jüdische Leben kehrte nach Deutschland zurück. Bereits im März 1946 zählte die Jüdische Gemeinde Münchens wieder ca. 2.800 Mitglieder.
Zu einer verhältnismäßig geringen Zahl von Rückkehrern aus den befreiten Konzentrationslagern und dem Exil kam ein größerer Teil von "Displaced Persons", jüdische Überlebende aus den Konzentrationslagern vorwiegend osteuropäischer Herkunft, und jüdische Flüchtlinge. Für viele sollte München nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Palästina, in die USA oder in andere Länder sein.

München wurde für Juden wieder zur Heimat. Die am 19. Juli 1945 neu gegründete Israelitische Kultusgemeinde konnte am 20. Mai 1947 die wiederhergestellte Synagoge in der Reichenbachstraße 27, bis zum heutigen Tag die Hauptsynagoge, einweihen. Bis Ende der 80er Jahre hatte sich die Mitgliederzahl der Jüdischen Gemeinde auf ca. 4.000 eingependelt. Während der 90er Jahre ist die Zahl ihrer Mitglieder insbesondere durch die starke Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion auf rund 8.000 gestiegen und die Kultusgemeinde wächst weiter. Zur ihr gehören drei Synagogen, eine Betstube, zwei rituelle Tauchbäder, zwei Friedhöfe, eine Grundschule, eine Kindertagesstätte, ein Jugend- und Kulturzentrum, ein koscheres Restaurant, eine koschere Metzgerei und weitere Einrichtungen meist sozialer Natur.

Die meisten Veranstaltungen der Gemeinde finden in unzureichenden Gebäuden und beengten Räumlichkeiten statt und selbst die heutige Hauptsynagoge in der Reichenbachstraße befindet sich im Rückgebäude des Anwesens, in dem auch die Hauptverwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde – ebenfalls in äußerst beengten Verhältnissen – untergebracht ist.

Die Errichtung des neuen Jüdischen Zentrums inmitten der Stadt, auf dem St.-Jakobs-Platz, wird dies in Zukunft ändern und jüdischem Leben im Münchner Stadtbild wieder einen würdigen Platz geben.